Dieter Bednarz und seine Familie

Dreimal großes Glück

Auch wenn ich manchmal über dies und das jammere – ich bin ein Glückspilz, denn drei Mal schon habe ich richtig großes Glück gehabt in meinem Leben. Das erste Mal verbinde ich mit dem 1. Oktober 1981. Das war meine erster Arbeitstag beim SPIEGEL, in dessen Redaktionsvertretung Düsseldorf. Das Team des berühmten Nachrichtenmagazins in der NRW-Landeshauptstadt zu verstärken, war für mich mehr als nur ein Jobwechsel.

Das zweite Mal war mir das Schicksal am 14. Oktober 1998 hold. An jenem Tag lernte ich die Hamburger Rechtsanwältin Esther Göttling kennen – und lieben. 2002 folgte die Hochzeit in einem buddhistischen Tempel auf Sri Lanka. Die damals entstandene Freundschaft zu dem ehrwürdigen Mönch Siri Sudhamma wurde später zum Ausgangspunkt für meinen Roman „Schwer erleuchtet“.

Dieter Bednarz – Schwer erleuchtet
Dieter und Esther bei der Hochzeitszeremonie mit Mönch Siri

Der dritten Glücksfall meines Lebens war für mich die Geburt unserer Kinder: Erst die der Zwillinge Fanny und Lilly im August 2005, dann die unseres „Gottesgeschenks“ Rosa im Februar 2007.

An der Wickelfront

Aus unseren heiteren aber auch nervenaufreibenden Erfahrungen auf dem langen Weg zum Kind und in den ersten Jahren mit den Mädels entstand 2009 das autobiographische Sachbuch „Überleben an der Wickelfront – Vom Elternglück in den besten Jahren“, das als Hardcover bei der DVA, München, und als Taschenbuch bei Goldmann, München, erschienen ist. Als Hörbuch wurde es beim Audio Verlag veröffentlich, gesprochen vom mir. Im März 2011 wurde „Überleben an der Wickelfront“, verfilmt von der Berliner Erfolgsproduzentin Regina Ziegler, zum Quotensieger des Tages im ZDF.

Vergleichsweise glücklich

Anders als von mir in meinem gleichfalls verfilmten Roman „Mann darf sich doch mal irren! – Von unserem Leben nach der Wickelfront“ beschrieben, bekämpfen Esther und ich uns nicht an der Scheidungsfront. Im Gegenteil. Ich lebe vergleichsweise glücklich unter „meinen“ vier Frauen. Von der SPIEGEL-Front, an der ich tapfer das Fähnchen für Qualitätsjournalismus hochgehalten habe,  bin ich mich im Sommer 2017 nach über 35 Jahren desertiert, um mich mehr meiner Familie zu widmen – und bei Yoga und Meditation auf Erleuchtungserlebnisse zu warten.

Bekennender Ruhrpöttler

Und falls Sie wissen wollen, warum ich mich als bekennenden Ruhrpöttler bezeichne: Geboren wurde ich am 3. September in Bochum, der Heimatstadt meiner Mutter; mein Vater stammte aus der Straßenbahner-Siedlung in Witten-Crengeldanz, die gleich nebenan liegt. Aufgewachsen bin ich jedoch in Essen, erst im Stadtteil Rüttenscheid, dann in Essen-Stadtwald. Meine vier Jahre jüngere Schwester Jutta Bednarz lebt noch heute in unserem späteren Elternhaus in Essen-Bredeney.

Traum vom Künstlerleben

Erste Erfahrungen im Journalismus habe ich übrigens schon vor dem Abitur gesammelt, als fester freier Mitarbeiter der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), die ihren Hauptsitz in Essen hat. Für deren Samstagsausgabe habe ich über jodelnde Krankenschwestern und Flöte spielende Schrotthändler geschrieben. So bot sich nach dem Abitur ein Volontariat bei der WAZ an. Meinen Traum, als Schauspieler reich und berühmt oder zumindest bekannt zu werden, hatte ich damit begraben. Es ist eben das Eine, sich zum Theater berufen zu fühlen, das Andere, auch den Mut zum Künstlerleben zu haben.

Der Journalismus war aber nicht die schlechteste Wahl. Nach einer sehr lesernahen Ausbildung vor allem in der Lokalredaktion der WAZ-Wattenscheid, hospitierte ich beim Westendeutschen Rundfunk (WDR) in Köln und in der WAZ-Parlamentsredaktion in Bonn, bis mich der damalige Chefredakteur Siegfried Maruhn für von mir erfolgreich initiierte Leser-Blatt-Bindung-Aktionen vorzeitig zum Lokalredakteur in Bottrop machte; später förderte er auch meine Akkreditierung als WAZ-Korrespondent in Jerusalem.

Haus Pax

In die Heilige Stadt war ich im Sommer 1979 als Ersatzdienstleistender für die Berliner „Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste“ gegangen. In deren Landeszentrale, dem „Haus Pax“ in Jerusalem, diente ich als Mädchen für alles: Ich betreute Reisegruppen und jüdisch-deutsche Versöhnungsinitiativen, schrubbte aber auch die Toiletten und Duschen. In meiner freien Zeit berichtete ich für die WAZ aus Jerusalem.

In jenen fast zwei Jahren schrieb ich gemeinsam mit meinem Mit-Freiwilligen, dem heutigen Islamwissenschaftler Michael Lüders, meine beiden ersten Bücher, die im Frühjahr 1981 nahezu zeitgleich mit meiner Rückkehr nach Deutschland herauskamen: „Palästina Protokolle – Bestandsaufnahme und Perspektive“ und „Blick zurück ohne Hass – Juden aus Israel erinnern sich an Deutschland“.

Bednarz bei einem ultraorthodoxen Juden in Hebron am Grab Abrahams

Mit einem ultraorthodoxen Juden am angeblichen Grab Abrahams in Hebron.

Dome of the Rock, Jerusalem

SPIEGEL statt Studium

„Wir haben gehört, Sie sind auf dem Markt“, so meldete sich im Sommer 1981 der SPIEGEL bei mir. Das Nachrichtenmagazin irrte. Ich war auf dem Weg in die WAZ-Lokalredaktion Bochum, wo ich wieder als Redakteur arbeitete, bis ich im Herbst zum Studium der Politik- und Islamwissenschaften nach Hamburg gehen wollte. Nach wenigen Gesprächen war klar, dass der SPIEGEL meine Zukunft würde.

Am 1.Oktober 1981 begann ich als politischer Redakteur im Düsseldorfer Landesbüro des Nachrichtenmagazins. Gut zwei Jahre später wechselte ich in die Zentrale nach Hamburg und schrieb für das Deutschland-Ressort alles, was mindestens auf einer Seite gedruckt wurde – von Aids bis Zivildienst, von der eher heiteren, so genannten Schlussgeschichte, bis zum Report und zum Titel.

Im Wissen um meine Erfahrung als Israel-Korrespondent berief mich die Chefredaktion 1991 nach dem Golf-Krieg um Kuweit in die Leitung des Nahost-Büros in Kairo; mit dem Handshake zwischen Israels Premier Yitzhak Rabin und Palästinenser-Führer Yassir Arafat kehrte ich 1994 als Nahost-Koordinator im Auslandsressort zurück nach Hamburg. Ich ahnte nicht, dass vor mir noch fast noch ein Vierteljahrhundert Überleben an der SPIEGEL-Front liegen sollte.